ein pferd / a horse

 

„The well-aimed phrase is a whip
your poem a horse.“

(Michael Donaghy, nach Lu Chi)

 

ist es ein fuchs, ein schimmel oder rappe,
hengst oder stute,
was durch den garten trabt und am rhabarber
zugange ist, an der lavendelstaude?

was dort über die triplebarre
hinwegsetzt, nur um in der mitte
des schlachtfelds zu landen, vor den karren
mit fässern und die goldene pyramide

aus heu gespannt? das kaltblut,
das aus brabant ein kiloschweres herz
heranschleppt und das V, den leichten pflug
der wildgänse, oder der lippizaner, der als schwärze

geboren wird, der über alle felder
hinwegzutänzeln weiß und immer weißer,
der zum triumph wird, alle welt ins schach stellt,
blendend wie das schnupftuch eines kaisers?

versteht sich: sämtliche zweihundert-
undzweiundfünfzig knochen kannst du noch im schlaf
zusammensetzen, weißt vom huftritt,
erkenntnishart, der präzision im schweif,

den schemen, die sich nachts graubraun
am zaun der weide reiben, hü und brr,
hörst das erstickte wiehern in den gräbern
der pharaonen und eroberer.

und doch bist du jetzt hier, rot wie ein bier-
kutscher und fluchend, mit dem zuckerstück
genialität in deiner tasche und dem tier,
das weder vor geht noch zurück,

nicht reagiert auf deine gerte
und auch nicht auf die möhre, die am band
vor seinen nüstern baumelt wie die kerze
vor der ikone. rühr dich, sagst du bebend.

es rührt sich nicht. es steht da, sieht ins land.

 

a horse

“The well-aimed phrase is a whip
your poem a horse.”

(Michael Donaghy, after Lu Chi)

 

is it a black, a chestnut or a gray,
stallion or mare,
which tramples the garden and makes its way
over the rhubarb and the lavender?

which leaps the triple bar
only to land in the middle
of the battlefield, hitched before
the cart with barrels and the pyramid

golden of hay?  the carthorse,
which hauls its kilo-heavy heart
from brabant and the V, light plough
of the wild geese, or the lippizaner, born

as a black, which has the wits to mince
from every field, white and ever whiter,
grows into a triumph, checkmates the whole world,
dazzling as the handkerchief of an emperor?

let it be understood: all two-hundred
and fifty-two bones you can compose
in sleep, know the hoofbeat,
hard knowledge, the precision in the tail,

the gray-brown silhouettes that rub themselves
at night against the pasture fence, haw and gee,
hear the strangled whinny in the graves
of pharaohs and of conquerors.

and yet you are still here, red as a beer-
cabby and cursing, with the sugar stick
brilliance in your pocket and the beast,
which goes neither forward nor back,

reacts neither to your whip
nor to the carrot dangling on a string
before its nostrils like the candle
before an icon.  move, you tell it, trembling.

it does not move.  it stands there, looks into the land.

 

(Übersetzung: Danielle Janess und Julian Smith-Newman)